
Junge Stimmen, die etwas bewegen
Fünf Jahre Akademie für Kinder- und Jugendparlamente
Mitreden. Mitgestalten. Etwas verändern. Seit fünf Jahren kommen junge Menschen aus ganz Nordrhein-Westfalen zu uns nach Haus Neuland, um genau das zu lernen und zu erleben. Denn seit 2021 sind wir der NRW-Standort der Akademie für Kinder- und Jugendparlamente. Ein Jubiläum, über das wir uns sehr freuen – und vor allem ein guter Anlass, auf fünf Jahre voller Begegnungen, Ideen und Engagement zurückzublicken.
Demokratie beginnt dort, wo Menschen erfahren: Meine Meinung zählt. Ich kann mich einbringen. Und ich kann gemeinsam mit anderen etwas bewegen.
Kinder- und Jugendparlamente schaffen genau solche Räume. Inzwischen gibt es in mehr als 100 Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen Kinder- oder Jugendgremien. Dort bringen junge Menschen ihre Perspektiven ein und beteiligen sich an Entscheidungen, die ihren Alltag und ihre Zukunft unmittelbar betreffen.
Unsere Aufgabe in der Akademie für Kinder- und Jugendparlamente ist es, sie dabei zu unterstützen.
„Wir wollen Kindern und Jugendlichen eine starke Stimme geben und sie darin unterstützen, ihre Kommune aktiv mitzugestalten“, sagt unsere Projektleiterin Janika Hoppe.
Rund 400 junge Engagierte pro Jahr bei uns in Haus Neuland
Manche Jugendgremien bestehen schon seit vielen Jahren, andere befinden sich gerade erst im Aufbau. So unterschiedlich die Voraussetzungen sind, so unterschiedlich sind auch die Fragen, die die Jugendlichen mit nach Haus Neuland bringen.
Wie können wir unsere Ideen in der Kommune durchsetzen? Wie funktioniert eigentlich Kommunalpolitik? Wie organisieren wir uns als Gruppe? Wie gehen wir mit Konflikten um? Und wie sorgen wir dafür, dass die Interessen junger Menschen wirklich gehört werden?
Rund 400 Kinder und Jugendliche aus ganz Nordrhein-Westfalen nehmen jedes Jahr an den Angeboten der Akademie bei uns in Haus Neuland teil.
Dabei geht es nicht darum, ihnen fertige Antworten mitzugeben. Viel wichtiger ist uns, gemeinsam mit ihnen herauszufinden, wie gute Beteiligung funktionieren kann – und ihnen das Wissen und die Methoden an die Hand zu geben, die sie für ihre Arbeit vor Ort brauchen.
Wenn aus Ideen konkrete Projekte werden
Wie lebendig diese Arbeit ist, konnten wir in diesem Sommer unter anderem beim Besuch des Jugendrats Hagen erleben.
In einem Workshop haben die Jugendlichen gesammelt, was ihre Arbeit für sie ausmacht. Auf den Karten standen Begriffe wie Mitbestimmung, Beteiligung, Veränderung, Miteinander, Mitwirkung und Vernetzung.
Dahinter steckt ein klares Anliegen: Die Jugendlichen möchten nicht nur über Politik sprechen. Sie möchten dort mitreden, wo Entscheidungen getroffen werden, die sie selbst betreffen.
Unsere Workshops setzen genau hier an.
Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen, erproben Kommunikation und Moderation, lernen Grundlagen des Projektmanagements kennen und entwickeln Strategien für den Umgang mit Konflikten. Auch Planspiele und Praxisbeispiele aus den jeweiligen Kommunen gehören dazu.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und demokratiefeindlichen Tendenzen.
„Unser Ziel ist es, politische Bildung mit konkreter Handlungskompetenz zu verbinden“, erklärt Janika Hoppe. „Die Jugendlichen entwickeln ihre persönlichen Fähigkeiten weiter und erfahren ganz praktisch, wie entscheidend klare Kommunikation, gute Planung und verlässliche Zusammenarbeit für nachhaltige Beteiligungsprozesse sind.“
Lernen – auch voneinander
Was wir in den vergangenen fünf Jahren immer wieder beobachten konnten: Mindestens genauso wertvoll wie die Workshops selbst ist für viele Teilnehmende die Begegnung mit anderen engagierten jungen Menschen.
Denn wenn Jugendräte und Jugendparlamente aus unterschiedlichen Städten und Gemeinden zusammenkommen, gibt es viel zu erzählen.
Was funktioniert bei euch gut? Wo stoßt ihr auf Widerstände? Wie erreicht ihr andere Jugendliche? Welche Projekte habt ihr bereits umgesetzt?
Aus solchen Gesprächen entstehen neue Ideen, Kontakte und manchmal auch ganz neue Perspektiven auf die eigene Arbeit.
„Viele Teilnehmende nutzen die Gelegenheit, andere engagierte junge Menschen aus verschiedenen Kommunen kennenzulernen, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen“, sagt Janika Hoppe. „Dieser Austausch über die eigene Kommune hinaus stärkt das Gemeinschaftsgefühl und bringt neue Impulse für die Arbeit vor Ort.“
Und genau das ist ein wichtiger Teil der Akademie: Junge Menschen miteinander in Verbindung zu bringen und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihrem Engagement nicht allein sind.
Fünf Jahre gelebte Beteiligung
Träger der Akademie für Kinder- und Jugendparlamente ist der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. (AdB). In jedem Bundesland gibt es einen Akademie-Standort. Für Nordrhein-Westfalen übernehmen wir in Haus Neuland diese Aufgabe und entwickeln die entsprechenden Qualifizierungs- und Vernetzungsangebote.
Die Akademie ist Teil der bundesweiten Initiative „Starke Kinder- und Jugendparlamente“ und Bestandteil der Jugendstrategie der Bundesregierung. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In seiner derzeitigen Form läuft das Projekt bis Juni 2027.
Nach fünf Jahren bleibt für uns vor allem eines hängen: Wie viel entsteht, wenn junge Menschen den Raum bekommen, ihre Ideen einzubringen.
Wir haben in dieser Zeit engagierte Jugendliche kennengelernt, lebhafte Diskussionen erlebt, neue Jugendgremien auf ihrem Weg begleitet und gesehen, wie aus ersten Ideen konkrete Vorhaben geworden sind.
Janika Hoppe fasst die vergangenen Jahre so zusammen:
„Die vergangenen Jahre haben uns immer wieder gezeigt, wie wichtig kontinuierliche Begleitung, Qualifizierung und Motivation für eine lebendige Beteiligungskultur sind – und wie lebendig Demokratie wird, wenn junge Stimmen Raum bekommen.“
Genau diesen Raum möchten wir auch weiterhin schaffen. Für junge Menschen, die Fragen stellen. Die mitreden wollen. Die Verantwortung übernehmen. Und die ihre Stadt und ihre Zukunft aktiv mitgestalten möchten.