Über Germanen-Ideologie der extremen Rechten aufgeklärt

Gemeinsames Seminar der Bildungsstätte Haus Neuland und des Freilichtmuseums Oerlinghausen war ein voller Erfolg

Nadja Bilstein und Karl Banghard sitzen im Innenhof von Haus Neuland Fachbereichsleiterin Nadja Bilstein und Museumsdirektor Karl Banghard mit der Broschüre „Nazis im Wolfspelz“, die der Historiker 2016 veröffentlicht hat.

Nur drei Kilometer Fußweg liegen zwischen Haus Neuland in Sennestadt und dem Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen. Nicht nur die kurzen Wege legen eine Kooperation der beiden Einrichtungen nahe. Auch bei der inhaltlichen Arbeit gibt es Schnittpunkte. Deshalb haben die Bildungsstätte und das Museum, die im Bereich Jugendbildung schon seit Längerem zusammenarbeiten, jetzt eine neue Kooperation ins Leben gerufen und Anfang Juli gemeinsam ein Seminar zum Thema Germanen durchgeführt.

 

"Donar statt Döner"

Unter dem Titel „Donar statt Döner – Wie Nazis mit (Vor-)Geschichte Politik machen“ haben 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus NRW, Niedersachsen, Hessen, Hamburg und Baden-Württemberg sich mit dem rechten Rand der Germanen-Szene, mit völkischen Ideologien, Symbolen und Erinnerungsorten in Ostwestfalen-Lippe – wie zum Beispiel dem Freilichtmuseum – beschäftigt.

„Ich wohne nebenan, aber habe mir nie Zeit genommen, das Freilichtmuseum anzuschauen. Durch die Exkursion dorthin ist bei mir viel Wissen hängen geblieben“, erzählte Seminarteilnehmerin Elke Versen, und fügte noch hinzu: „Ich bin wirklich erschrocken über die starken Symbole der rechten Szene, die so präsent sind, aber gar nicht allgemein bekannt. Das macht mich sprachlos.“

 

Exkursionen machen theoretische Inhalte praktisch erlebbar

„Die Idee war es, die theoretischen Inhalte des Seminars für die Teilnehmenden auch praktisch erlebbar zu machen. Deshalb haben wir mehrere Exkursionen organisiert: zum Hermannsdenkmal in Detmold, zu den Externsteinen in Horn-Bad Meinberg, zur Wewelsburg in Büren und zum Freilichtmuseum Oerlinghausen“, berichtete die Pädagogin Nadja Bilstein, Leiterin des Fachbereichs Politische Akademie im Haus Neuland. Im Rahmen der Kooperation hatte sie Museumsdirektor Karl Banghard als Referenten für das fünftägige Seminar gewinnen können. „Karl Banghard ist Historiker für Ur- und Frühgeschichte und bringt sehr viel Wissen über die Germanen-Ideologie der extremen Rechten mit“, sagte die Pädagogin. 

„Wir sind im Museum grade in der Hochsaison – da war dieses Seminar auch für mich persönlich eine gute Abwechslung“, meinte Karl Banghard, der die Fortbildung gemeinsam mit dem Historiker Frank Huismann inhaltlich gestaltet hat. Spannend waren für den Museumsdirektor vor allem die bunt zusammengesetzte Gruppe – von Teilnehmenden aus der Jugendbildung, Jugendhilfe oder Museumsarbeit bis hin zu solchen, die aus rein privatem Interesse an dem Seminar teilgenommen haben. „Diese unterschiedlichen Hintergründe haben sehr interessante Diskussionen hervorgebracht“, freute sich Karl Banghard.

11.07.2018