Herausforderung Kita-Leitung

Zwei Seminarteilnehmerinnen erzählen

In Kitas steigt der Bedarf an qualifizierten Leitungskräften: Ein Generationenwechsel bei den Kita-Leitungen steht an, und durch neu eröffnete Einrichtungen wird auch neues Personal gebraucht. Aber die Leitungstätigkeit ist für viele wenig attraktiv. Bei uns im Haus Neuland in Bielefeld kommen regelmäßig Erzieherinnen und Erzieher aus ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus zusammen. Hier bilden sie sich weiter, tauschen sich aus, und hier treffen sie mitunter Entscheidungen, die ihr Leben ziemlich verändern.


Noch vor einem Vierteljahr hätte Stefanie Eck sich nicht im Traum vorstellen können, die Leitung einer Kita zu übernehmen. Obwohl man es ihr durchaus zutrauen würde. Die 45-jährige Frau mit den dunklen, wippenden Locken strahlt eine natürliche Autorität aus, sie wirkt kompetent und herzlich, und sie lacht gerne. Aber an der Position einer Kita-Leitung sind ein paar Dinge, die sie abschrecken. „Das bringt sehr viel Verwaltung mit sich und andere Dinge, die man in der Ausbildung nicht lernt – da konzentriert sich alles auf die Arbeit am Kind“, sagt Stefanie Eck, die derzeit an einer Zertifikatsreihe zum Thema Kita-Leitung im Haus Neuland teilnimmt. Obwohl sie seit sechs Jahren stellvertretende Leiterin des evangelischen Kindergartens Birkenlund in Hilter ist, fühlte sie sich einer Leitungsposition bisher nicht gewachsen.

Welche Aufgaben gehören zum Alltag einer Kita-Leitung?

Aber wie sieht der Alltag einer Kita-Leitung überhaupt aus? Zu den größten Aufgabenbereichen gehören Dinge, die man mit dem Berufsbild ErzieherIn nicht unbedingt verbinden würde: Verwaltung und Teamleitung. Darunter fallen zum Beispiel Buchhaltung und Finanzen, Kenntnisse rund um Fördertöpfe und Behörden, wir zum Beispiel die Landesjugendämter. „Und wir müssen das KiBiz, das Kinderbildungsgesetz NRW, natürlich in- und auswendig kennen“, sagt Melanie Mahr, Fortbildungskollegin von Stefanie Eck und stellvertretende Leiterin der Kita Farbenplanet in Dormagen.

Qualitäts- und Konzeptentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit, Konfliktmanagement, Teamfortbildungen und die Ausbildungsbegleitung gehören ebenso zu den Aufgaben einer Kita-Leitung wie Anmeldegespräche oder Anfragen von Eltern.  Dazu kommt, insbesondere für Familienzentren, noch die Vernetzung mit Kooperationspartnern vor Ort:  Grundschulen, Ärzten, Therapeuten, Kliniken oder Behörden wie z.B. dem Integrationsamt. Und oft haben Kita-Leitungen „nebenher“ noch eine Gruppenleitung inne, denn kleine und mittelgroße Kitas bekommen in der Regel keine volle Leitungsstelle.

Welche Bedenken gibt es, eine Leitung zu übernehmen?

„Viele Kollegen, die aus der Ausbildung kommen, sind überhaupt nicht vorbereitet für den theoretischen und den verwaltungstechnischen Aufwand. Sie wollen diesen Batzen an Verantwortung nicht übernehmen“, sagt Melanie Mahr. „Die Bandbreite und Komplexität der Aufgaben zeigt, wie hoch die Anforderungen an Kita-Leitungen sind. Deshalb wird es immer schwieriger, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für diese Position zu finden“, weiß auch Monika Hansel, Fachbereichsleiterin Bildung und Erziehung im Haus Neuland.

Die derzeitige Bezahlung macht den Beruf nicht attraktiver. Wenn man dann noch die Leitung für mehrere Einrichtungen gleichzeitig übernehmen muss, wie es immer öfter der Fall ist, dann bleibt in den einzelnen Einrichtungen kaum Zeit vor Ort. Aber: „Man muss vor Ort sein und präsent sein – für Kollegen und Eltern“, weiß Stefanie Eck.

 

Stefanie Eck (links) und Melanie MahrStefanie Eck (links) und Melanie Mahr nehmen gemeinsam an der Zertifikatsfortbildung zum Thema Kita-Leitung im Bielefelder Bildungszentrum Haus Neuland teil.

Durch den Kita-Ausbau werden mehr Leitungskräfte benötigt

„Das Thema Kita-Leitung ist in den letzten Jahren verstärkt in den Blickpunkt gerückt“, hat Fachbereichsleiterin Monika Hansel beobachtet. Sie verweist auf diverse Fachartikel und auf eine ausführliche Studie mit dem Titel „Kita-Leitung als Schlüsselposition“, die die Bertelsmann-Stiftung im Jahr 2016 veröffentlicht hat. Daraus geht auch hervor, dass die Situation der Kitas von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich ist. In Nordrhein-Westfalen treibt die Landesregierung den Kita-Ausbau in den letzten Jahren stark voran. „Das erhöht aber auch den Bedarf an Leitungskräften“, sagt Monika Hansel.

Kita-Leitung – Jetzt doch!

Die Fachbereichsleiterin bringt in der Zertifikatsfortbildung erfahrene und künftige Leitungskräfte zusammen, so dass diese voneinander lernen. Und wenn das gelingt, dann traut sich die ein oder andere Fachkraft vielleicht bald zu, eine Kita zu leiten, hofft Monika Hansel. Erste Erfolge gibt es bereits.

Stefanie Eck hat sich vor ein paar Wochen dazu entschieden, die Leitung ihrer Kita doch zu übernehmen. „Was mir bisher fehlte, habe ich im Haus Neuland gelernt. Aus der Zertifikatsfortbildung konnte ich viel mitnehmen, zum Beispiel neue Kenntnisse über Büroorganisation, Struktur und Arbeitseinteilung“, sagt sie. „Das Team konnte sich das gut vorstellen, dass ich die Kita leite – und ich mir mittlerweile auch“, erklärt sie schmunzelnd. Am 1. März wird es ernst. Dann beginnt sie gut vorbereitet mit ihrer neuen Tätigkeit. Bestimmt wird nicht alles sofort glatt laufen, und bestimmt gibt es Überraschungen. Aber Stefanie Eck ist zuversichtlich: „Man muss einfach offen und flexibel sein – dann wird schon alles klappen.“

Informationen zu aktuellen Zertifikatsreihen rund um Themen wie Kita-Leitung und -Management bekommen Sie bei Silke Maaß im Tagungssekretariat. Oder schauen Sie nach aktuellen Terminen in der Seminarsuche.

 

 

Silke Maaß

Seminarmanagement

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