Brennpunkte der Politik im Poetry Slam


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"Quichotte" ist Poetry Slammer, Rapper, Stand-up-Künstler – und Referent in unserem Seminar für Politisch Interessierte "Wortmächtig! Wirkmächtig? – Politik mal anders". Das Interview haben wir im November 2016 mit "Quichotte" geführt.


Zum Verhältnis von Politik und Kunst – "Quichotte" im Interview

Krisen, Brennpunkte und Rechtspopulismus – davon hört und liest man viel in unseren Medien. Sie sagen in Ihrem Text "Das Orchester" aber: "Deutschland, das ist Dein Konzert, ein Kammerspiel in Dur." Was macht Sie so optimistisch?


Quichotte: "Ich denke vor allem, dass es keine humanitär-moralisch vertretbare Alternative im Hinblick auf die Flüchtlingskrise gibt, als den Menschen zu helfen. Denn was würden beispielsweise eine Obergrenze oder gar ein Schließen der Grenzen bedeuten? – Das würde zu noch mehr menschlichen Tragödien führen.

Deutschland als wirtschaftsstarkes Land hat da meiner Einschätzung nach eine Verantwortung. Und es gibt ja auch die Kapazitäten, wenn man bereit ist, ein paar kleine Opfer zu bringen. Das sehe ich als humanitäre Pflicht, und ich denke auch, dass das gelingen kann. In meinen Augen gibt es mehr gute als schlechte Menschen. Diese Einschätzung stimmt mich positiv und optimistisch, auch in diesen Zeiten."


Poetry Slammer "Quichotte"
Poetry Slammer "Quichotte". Foto: Fabian Stürtz

Wie ist Ihr Text "Das Orchester" entstanden? Wodurch haben Sie sich inspirieren lassen?


Quichotte: "Natürlich ist es ein Text zur Flüchtlingskrise und der lange schon diskutierten Frage: Kann eine multikulturelle Gesellschaft funktionieren? Da ich Teil dieser Gesellschaft bin, ist das meine Motivation. Ich denke, dass trotz oder vielleicht auch wegen der Unterschiede eine heterogene Gesellschaft stärker ist, als eine komplett homogene. Schließlich lassen Integration und Gemeinschaftlichkeit auch größere Flexibilität erwachsen. Das sehe ich als klaren Vorteil.

Es ist ja nun in Zeiten zunehmender Globalisierung und Digitalisierung und steigender Mobilität nicht mehr zu leugnen, dass Völkerwanderungen und kulturelle Durchmischung sich auf einer ganz anderen Ebene vollziehen als vor 1500 Jahren.

Mit diesen Entwicklungen muss man konstruktiv umgehen. Sich davor zu verschließen, ist in meinen Augen keine Alternative. Der Text sucht danach, das Gute in dieser Entwicklung zu sehen. Und es gibt darin meiner Meinung nach viel Gutes zu finden."


Und zuletzt etwas abstrakter gedacht: Was verbindet Ihrer Ansicht nach Politik und Kunst?


Quichotte: "Das lässt sich ganz praktisch beschreiben: Kunst kann Politik zum Gegenstand haben. Das muss nicht sein, aber es kann. Und ich sehe in der Kunst ein großes Potential, auf politische Themen multiperspektivisch einzugehen. Im besten Falle trägt das sogar zurückwirkend Früchte in der Politik. Hierzulande stellt sich der politische Zirkus ja vordergründig oft sehr dröge und sachlich dar. Da kann die Kunst Themen auf kreativere Weise angehen."